Es ist ein Novembertag wie er im Buch steht. Regen, Wind, Kälte. Ausgerechnet heute hat der Bus nur rote Ampeln und die Bahn kommt zu zeitig. Hohes Verkehrsaufkommen für den Bus. Eigenes Gleisbett für die Bahn. Offensichtlich sind alle Jogger und Radfahrer bei diesem Wetter zusätzlich, zum normalen Verkehr, mit dem Auto gefahren. Feiglinge.
Also klappt der Anschluss nicht. Alle drängen sich in das Wartehäuschen.
Wartehäuschen! Ein Witz ist das, was haben diese Dinger noch mit Häuschen gemein? Ein Glasdach mit zwei gläsernen Seitenwänden, die für irgendwelchen Krempel Werbung machen. Dem Erfinder dieser Fahrgastoffenställe sollte man ein Denkmal setzen. Auf dem Postplatz zum Beispiel.
Nun fängt doch nicht etwa noch Einer an zu rauchen! Komischerweise verlassen alle fluchtartig den Unterstand. Niemand bringt den Mut auf, den Qualmer ins Mistwetter zu schicken. Wieso eigentlich? Keine Ahnung.
Als alle, außer Einem, ausreichend nass sind, kommt eine Bahn. Nicht mal so voll, wie zu befürchten war.
Die Bahn fährt an der Tankstelle vorbei. 1,45 € pro Liter Benzin! Man möchte glauben, wegen des Wetters. Weil nun alle mit dem Auto fahren und somit bald tanken müssen.
Zu Hause angekommen weiß ich, warum die Benzinpreise so hoch sind. Damit die Radiosender mal wieder ein neues Thema für die Berichterstattung haben.
Seit ca. 13 Jahren gibt es in der Nähe meiner Wohnung einen größeren Einkaufsmarkt. Nicht ganz billig, aber es gibt da durchaus Waren, die ich in anderen Märkten nicht bekomme. Außerdem steht der Markt in einer günstigen Entfernung zur Wohnung. Fünfzehn Minuten Fußweg hin und fünfzehn Minuten zurück, also dreißig Minuten näher zur Traumfigur. Dazu kommt noch der Spaßfaktor beim Einkaufen. Das Zusammensuchen der Waren läuft wie in jedem Großmarkt. Immer wenn man sich dran gewöhnt hat wo was steht wird umgeräumt. Aber eines ist immer gleich. An der Kasse steht man länger als notwendig, weil mindestens ein Artikel, der auf dem Band liegt, nicht im Kassensystem zu finden ist. Wenn es mich nicht selber trifft, dann wenigstens einen Kunden vor mir. Das funktioniert mit einer gespenstigen Regelmäßigkeit. Wie kriegen die das hin?
Heute hatte ich Glück und war diejenige, die vorne stand. Ich hatte eine Musik-CD und eine DVD. Beides zum gleichen Preis. Im Kassensystem war nur die DVD. Für die CD war noch der alte Preis drin und ließ sich auch durch nichts und niemanden korrigieren, trotz drei aufgeklebter Etiketten, die wahrscheinlich alle den alten Preis auswiesen. Wer kann das bei den vielen Strichen mit bloßem Auge kontrollieren.
Nun ging das los:
Die Kassiererin gibt eine Nummer per Hand ein. Nichts. Die Kassiererin gibt eine zweite Variante mit der Hand ein. Nichts. Erstes Augenverdrehen meines Hintermannes. Ich kenne das Gefühl. Du bist wunderbar auf dem Band eingeklemmt. Wenn man nur seinen Krempel einsammeln könnte und an die Nebenkasse gehen. Aber der Hintermann hat ja auch schon das Band beladen. Also heißt es ausharren. Inzwischen ist der Kassiererin Variante drei eingefallen - der Griff zum Telefon. Die erste "Nummer" war nicht zuständig, die Richtige besetzt. Nun verliert die Kassiererin die Nerven und verdreht die Augen. Hilfesuchende Blicke an die Nebenkasse. Aber die Kassiererin dort ist nur froh, dass sie mal alle Waren im Kassensystem hat. Zweiter Griff zum Telefon. In der Schlange verhaltenes Murren. Die Kassiererin fragt an, ob sie nicht die DVD noch mal über den Scanner ziehen dürfe, weil die Preise für CD und DVD identisch waren. Kurzes Schweigen, banges Warten - Zustimmung. Die Kassiererin informiert mich über das Ergebnis und ist sichtlich froh, weiter kassieren zu können. Ich gebe meine Zustimmung unter Vorbehalt, dass die CD auch wirklich in Ordnung ist. Falls ich reklamieren muss. Kurzes Stutzen und die eigenverantwortliche Entscheidung: "Ich schreibe Ihnen mit der Hand auf den Kassenzettel, was Sie gekauft haben." Na gut. Alle sind zufrieden und es waren gefühlte 15 Minuten vergangen.
Ich wollte gerade einpacken. Da kommt eine kompetente Kollegin samt Korrekturblock und wahrscheinlich dem Wissen, wie der Vorgang zwar komplizierter, aber den Anforderungen des Kassensystems gerechter hätte geregelt werden können. Sie zog unverrichteter Dinge wieder ab. Ich befürchte nur, dass nun die nächste Inventur nicht stimmt. Denn bei 20 Stück Joghurt zum gleichen Preis wird ja auch jede Sorte extra gescannt - wegen der Inventur. Deshalb habe ich diese Geschichte festgehalten.
Also bei den CD's wird es eine Plusdifferenz geben und bei den DVD's eine Minusdifferenz. Wertmäßig stimmt die Inventur.
Na dann Tschüß, bis zum nächsten Einkauf im Supermarkt.
Es ist Donnerstagnachmittag, 15:45 Uhr. Ich renne am Pirna'schen Platz nach der Linie 2. Geschafft. Die Bahn ist voll, aber nicht übervoll. Wenigstens einen guten Stehplatz erwischt. Verdammt, wo kann ich mich hier anhalten? Der Platz vor mir hat keinen Griff. Die ganze Zeit über mir an der Schaukel hängen? Nö, da schläft mir ja der Arm ein. Also, irgendwie am Sitz eingekrallt. Es geht.
"Eine ganz normale Straßenbahnfahrt?" vollständig lesen