Wir sind Papst, wir sind Bundeskanzlerin, wir sind Fußball-, Handballweltmeister und –Innen, und wir sind Hooligans. HALT. Spätestens jetzt jaulen viele Leute auf „ICH NICHT“.
"Hier fällt mir nichts mehr ein" vollständig lesen
Wladimir Kaminer hat in seinem Buch "Mein Leben im Schrebergarten" festgestellt, dass alle Kleingärtner Verbrecher sind. Da scheint jede Menge Wahrheit drin zu liegen. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir im Jahr 2007 eine eidesstattliche Erklärung über unsere Obst-, Gemüse- und Erholungsflächen des Kleingartens am 03.10.1990 abgegeben sollen? Gut, man hätte es sich einfach machen können, da in der Regel im Oktober die Beete abgeerntet sind, aber ich glaube, das war nicht gemeint. Also musste ich die beginnende Altersheimer überlisten. Womit? Mit Aufzeichnungen. Ein gelernter Ex-Ossi kann eben nichts weg werfen. Und als sozialistischer Kleingärtner musste man ja die Ernteerfolge abrechnen. Ich habe meine Angaben trotzdem vorsichtshalber unter Vorbehalt gemacht. Ich weiß ja nicht, was bei einem Meineid passiert. Vielleicht hätte ich bald viel Zeit zum Geschichten schreiben - Geschichten aus dem Knast. Aber ob man da noch so viel erlebt, und ob das aufschreibenswert ist?
Seit ca. 13 Jahren gibt es in der Nähe meiner Wohnung einen größeren Einkaufsmarkt. Nicht ganz billig, aber es gibt da durchaus Waren, die ich in anderen Märkten nicht bekomme. Außerdem steht der Markt in einer günstigen Entfernung zur Wohnung. Fünfzehn Minuten Fußweg hin und fünfzehn Minuten zurück, also dreißig Minuten näher zur Traumfigur. Dazu kommt noch der Spaßfaktor beim Einkaufen. Das Zusammensuchen der Waren läuft wie in jedem Großmarkt. Immer wenn man sich dran gewöhnt hat wo was steht wird umgeräumt. Aber eines ist immer gleich. An der Kasse steht man länger als notwendig, weil mindestens ein Artikel, der auf dem Band liegt, nicht im Kassensystem zu finden ist. Wenn es mich nicht selber trifft, dann wenigstens einen Kunden vor mir. Das funktioniert mit einer gespenstigen Regelmäßigkeit. Wie kriegen die das hin?
Heute hatte ich Glück und war diejenige, die vorne stand. Ich hatte eine Musik-CD und eine DVD. Beides zum gleichen Preis. Im Kassensystem war nur die DVD. Für die CD war noch der alte Preis drin und ließ sich auch durch nichts und niemanden korrigieren, trotz drei aufgeklebter Etiketten, die wahrscheinlich alle den alten Preis auswiesen. Wer kann das bei den vielen Strichen mit bloßem Auge kontrollieren.
Nun ging das los:
Die Kassiererin gibt eine Nummer per Hand ein. Nichts. Die Kassiererin gibt eine zweite Variante mit der Hand ein. Nichts. Erstes Augenverdrehen meines Hintermannes. Ich kenne das Gefühl. Du bist wunderbar auf dem Band eingeklemmt. Wenn man nur seinen Krempel einsammeln könnte und an die Nebenkasse gehen. Aber der Hintermann hat ja auch schon das Band beladen. Also heißt es ausharren. Inzwischen ist der Kassiererin Variante drei eingefallen - der Griff zum Telefon. Die erste "Nummer" war nicht zuständig, die Richtige besetzt. Nun verliert die Kassiererin die Nerven und verdreht die Augen. Hilfesuchende Blicke an die Nebenkasse. Aber die Kassiererin dort ist nur froh, dass sie mal alle Waren im Kassensystem hat. Zweiter Griff zum Telefon. In der Schlange verhaltenes Murren. Die Kassiererin fragt an, ob sie nicht die DVD noch mal über den Scanner ziehen dürfe, weil die Preise für CD und DVD identisch waren. Kurzes Schweigen, banges Warten - Zustimmung. Die Kassiererin informiert mich über das Ergebnis und ist sichtlich froh, weiter kassieren zu können. Ich gebe meine Zustimmung unter Vorbehalt, dass die CD auch wirklich in Ordnung ist. Falls ich reklamieren muss. Kurzes Stutzen und die eigenverantwortliche Entscheidung: "Ich schreibe Ihnen mit der Hand auf den Kassenzettel, was Sie gekauft haben." Na gut. Alle sind zufrieden und es waren gefühlte 15 Minuten vergangen.
Ich wollte gerade einpacken. Da kommt eine kompetente Kollegin samt Korrekturblock und wahrscheinlich dem Wissen, wie der Vorgang zwar komplizierter, aber den Anforderungen des Kassensystems gerechter hätte geregelt werden können. Sie zog unverrichteter Dinge wieder ab. Ich befürchte nur, dass nun die nächste Inventur nicht stimmt. Denn bei 20 Stück Joghurt zum gleichen Preis wird ja auch jede Sorte extra gescannt - wegen der Inventur. Deshalb habe ich diese Geschichte festgehalten.
Also bei den CD's wird es eine Plusdifferenz geben und bei den DVD's eine Minusdifferenz. Wertmäßig stimmt die Inventur.
Na dann Tschüß, bis zum nächsten Einkauf im Supermarkt.
Freitag, 26. Oktober 2007
Ich sitze in meinem Hotelzimmer. Drei Betten für eine Person. Ungemütlich. Vor dem Hotel fährt die Straßenbahn, aber ich hatte Glück und bewohne ein Zimmer in Richtung Hof. Vor dem Fenster die Feuerleiter. Also bleibt das Fenster über Nacht zu. Im Fernsehen berichten sie vom Lockführerstreik und dass die Deutschen zu viel „Alte“ aufweisen. In Eschershausen werden die Kinder nun ganztags betreut, obwohl von vier Gruppen nur noch zwei da sind. Die „Alten“ arbeiten dort ehrenamtlich als Kinderbetreuer.
Und ich bekomme einen Schnupfen.
Ich sitze in meinem Hotelzimmer und schreibe eine Geschichte. Ein Buch zum Lesen habe ich nicht mit. Der Fernseher bietet alle Sender, außer MDR und RBB. Ein Zufall? Ach nein. Bayern fehlt auch.
Und ich wohne neben dem Fahrstuhl. Das Hotel ist groß. Es kann noch lange dauern, bis der letzte Gast in seinem Zimmer angekommen ist. Es ist noch früh am Tag. Bis 17:00 Uhr ging das Seminar. Gegen 18:00 Uhr bin ich essen gegangen. Hinter dem Hotel befindet sich die Innenstadt. Ich bin immer tiefer in die Stadt gegangen. Die Leute auf den Straßen wurden immer seltener. Gaststätten gab es wenige auf dieser Straße, abgesehen von diversen Imbisseinrichtungen. Also bin ich ins China-Restaurant. Die mussten wegen mir arbeiten. Gegen 19:15 Uhr bin ich zurück. Die Stadt schlief schon ganz. Alle Geschäfte schließen 19:00 Uhr. Eine menschenleere Straße.
Mein Gott, wo bin ich hier? Mir fällt der Film „Spukschloss im Spessart“ ein. Georg Thomalla spricht von einem „kleinen Nest am Rhein“. BONN!
Morgen darf ich wieder nach Hause.