Heute früh hatte sich das Wetter überlegt, dass es besonders lustig sein muss, im Berufsverkehr mal wieder einen Regenguss, analog zur Flut 2002, gekrönt mit einem Gewitter, los zu schicken. Bei gemäßigtem Nieselregen stieg ich in die Bahn ein und 5 Minuten später
bei Wolkenbruch wieder aus um 9 Minuten (lt. Fahrplan) auf den Bus zu warten. Einer Vorahnung folgend stellte ich mich nicht direkt an die Haltstelle, sondern versuchte unter dem einzigen Baum, dessen Krone allerdings auch schon bessere Tage gesehen hatte, Schutz vorm Regen zu finden. Glaube versetzt zwar Berge, heißt es, aber unter einem Baum ohne Krone wird man trotzdem nass.
Die Straße vor der Haltestelle ist vor nicht all zu vielen Jahren saniert worden, es war wohl irgendwann im Sommer, denn die Schleusenbauer hatten offenbar gerade Urlaub und waren somit am Straßenbau nicht beteiligt. Jedes zweite Auto spritzte das Regenwasser über den ca. 1,20 – 1,50 breiten Fußweg, bis zu anschließenden Wiese. Eine Radfahrerin, die gerade den Weg nutzte, wurde filmreif eingeweicht. Noch gestern Abend habe ich mich über eine Szene im Fernsehfilm vor Lachen ausgeschüttet, weil zwei Männer in ähnlicher Art mit Schlamm voll gespritzt wurden. ‚Gut und lustig ausgedacht’, dachte ich gestern Abend – ich lache nie wieder über solche Szenen, sie sind trauriger Alltag.
Dann kam der Bus. Ich ging ein paar Schritte vor, damit mich der Busfahrer auch wirklich sieht und nicht am Ende noch durch fährt. Er hat mich gesehen, allerdings war es auch einer von der korrekten Sorte. So hielt er mit dem Busmittelteil am Haltestellenschild und nicht zwei Meter weiter vorn. Wenigstens öffnete er die vordere Tür, so dass ich nicht noch am Bus lang flitzen musste, und ich hatte die Gelegenheit mich höflichst für seine freundliche Art zu bedanken.
Ich war drin – und der Bus fuhr nicht los. Im Rückspiegel hatte der Fahrer eine Bahn gesehen, auf die er wartete, um zu sehen, ob nicht Jemand umsteigen will. Eigentlich haben sich die beiden lt. Fahrplan gar nicht zu treffen, aber…
Tatsächlich wollte eine Frau mit dem Bus mit. Auch sie musste zwar weiter rennen, als für gewöhnlich, weil der Bus ja korrekt im Haltestellenbereich stand, aber sie sah es natürlich unter einem ganz anderen Aspekt und bedankte sich höflichst bei dem Busfahrer fürs Warten. An der nächsten Haltestelle kam wieder Eine gerannt, die eindeutig zu spät losgegangen war, denn der Bus hätte längst weg sein sollen. Natürlich war auch sie freudig erregt über die Nettigkeit des Busfahrers.
So unterschiedlich ist es eben. Aber ICH bleibe dabei. Freundlich war DER nicht.