"Am Wochenende saß ich mit meinem Sohn vor dem Computer um nach einem mp3-Player im Internet Ausschau zu halten." Obwohl dieser Satz deutsch erscheint, wäre er für meine Uroma ein Satz mit drei Unbekannten. "Computer", "mp3-Player", "Internet". An diese Worte war 1969,
als sie im Alter von 87 Jahren starb, noch nicht ansatzweise zu denken. Zwanzig Jahre danach hatten wir dann eine leise Ahnung, was ein Computer sein könnte. Immerhin sollte irgendwo im Betrieb einer unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stehen, so erzählte man sich, den man nach dem Eintragen in ein Wartebuch auch irgendwann mal nutzen konnte. Wir wussten zwar anfangs noch nicht so richtig wozu, aber es war toll, dass der Betrieb einen hatte. Ein Jahr später sollte dann sogar schon am Computer gebucht werden! Er stand zwei Querstraßen von der Buchhaltung entfernt. Ich war Hauptbuchhalterin und hatte die Aufgabe, meine zwei älteren Kolleginnen (ha,ha,ha - sie waren gerade mal 50) von der Notwendigkeit der Buchhaltung am Computer zu überzeugen. Aber das OAZ (Organisations- und Abrechnungszentrum für den Groß- und Einzelhandel) war gerade abgeschafft worden und das Buchungsjournal per Hand nun wirklich veraltet. Meine beiden Buchhalterinnen gingen also nach einer endlosen Diskussion zu zweit vor den Computer, immer in Hab-Acht-Stellung, falls das Ding beißt, und gaben ihre Zahlen ein. Eine sagte an und die Andere tippte.
Weitere 5 Jahre später schrieb man drei Seiten Begründung, warum man ins Internet musste und demzufolge einen "Internetcomputer" brauchte.
Heute frage ich mich, wie ich überhaupt bis Anfang der 90iger Jahre ohne Internet überleben konnte. Alle Schulaufgaben ohne Internet, Vorträge ohne Wikipedia, Kochrezepte und Bastelanleitungen - ja woher denn eigentlich? Im Knie knackt es? Der Internetdoktor weiß was hilft. Steuererklärung - aber bitte mit ELSTER. Nur stelle keine Frage, wie sich die ausgespuckten Zahlen eigentlich zusammen setzen. Das weiß nur der Computer und ein Entwickler, weit weg vom Nutzer. Es ist erschreckend, wie wir von diesen Maschinchen abhängig gemacht worden sind.
Da fällt mir eine Begegnung zwischen meinem Vater und seinem Lehrer ein. Ich war damals noch ein Kind als wir ihn trafen. Er fragte meinen Vater, was er denn so mache. "Wir entwickeln einen Großrechner." "So, so", sagte der Lehrer, "dann macht nur alle Knöpfe recht schön bunt, damit ihr Eure Maschinen dann auch noch bedienen könnt. Eines Tages weiß keiner mehr, was in den Maschinen passiert." Wie recht er doch hatte.
Und was würde meine Uroma dazu sagen? "Ihr mit Euerm neumodschen Kram! Was macht ihr wenn der Strom ausfällt? Werdet schon sehn was ihr davon habt."