Mittwoch, 30. Mai 2007Kurzurlaub im Gut Gnewikow / Neuruppin oder einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul
Diese Geschichte ist für Urlauber gedacht, die ein paar ruhige Tage in einem ruhigen Landstrich verbringen wollen.
Alles begann auf der Reisemesse 2007 in Dresden. Mein Mann, leidenschaftlicher Ansichtskartensammler, und aus diesem Hobby heraus sehr neugierig, interessierte sich am Stand vom Gut Gnewikow für eine Ansichtskarte. Es gab keine. Der nette Standbetreuer bot ihm aber an zu würfeln, um eventuell eine kostenlose Übernachtung zu gewinnen. Und was macht mein Glückspilz? Er würfelt eine große Straße, die nach Aussage des Standbetreuers drei kostenlose Übernachtungen für eine Person im Hotel des Gutes Gnewikow wert war, vorausgesetzt er nimmt eine zweite zahlende Person mit. Und da er verheiratet ist, und mich liebt, war das alles kein Problem. Natürlich waren wir zuerst auch etwas vorsichtig. Man will uns was schenken? In der heutigen Zeit? Aber man konnte es sich ja mal Überlegen. Während wir uns noch verwundert freuten murmelte der Standbetreuer noch etwas von "heute wurde aber viel gewonnen" und schloss kurzerhand seinen Stand.
Zu Hause studierten wir den Prospekt und erfuhren, dass das Hotel Gut Gnewikow in nachbarschaftlicher Anbindung zum "Internationalen Jugenddorf Gut Gnewikow" liegt. Es kam eine gewisse Skepsis auf. Es klang nach Wuselei, Kinderlachen, Fußball, Badespaß. Das ist tagsüber nun wirklich kein Problem und welcher Geschäftsmann lässt sich den Hotelbetrieb durch Kinder- und Jugendlärm versauen? Außerdem gibt es in Deutschland für alles eine Ordnung. Also wird es auch in Gnewikow eine Hausordnung geben. Optimistisch gingen wir von einer optimalen Trennung aus und buchten die gewonnenen drei Übernachtungen plus einer Zusatzübernachtung für Mai, konkret von Montag bis Freitag. Man war sichtlich froh, dass wir in der Woche kommen wollten und nicht übers Wochenende. Das sollte sich für uns aber noch als Nachteil erweisen. Wir wussten es nur nicht. Wir fuhren in großer Erwartung nach Gnewikow. Das Gut befindet sich mitten im Ort. Das Gutshaus ist renoviert, nicht behindertengerecht aber altehrwürdig, und dient als Hotel. Im Hotel befindet sich ein wunderschönes Restaurant, in dem es, entgegen aller Prospektmitteilungen (Haus- und Wanderprospekte), nur das Frühstück für Hotelgäste gab. Ansonsten blieb das Restaurant leider geschlossen. Direkt neben dem Gutshaus befinden sich die Quartiere der Kinder und Jugendlichen. Die Altersspanne reicht von ca. 10 bis 17 Jahre. Im ersten Haus befindet sich die Rezeption. Wir bekamen unseren Schlüssel, Mitteilung über die Frühstückszeiten und wo wir das Auto abstellen durften. Dann waren wir wieder unser eigener Herr. Also stiefelten wir zuerst ins Gutshaus um unser Zimmer zu besichtigen. Die Ausstattung ist ausreichend, Bett, Schrank, Couchecke, Fernseher und ordentliche Naßzelle. Allerdings lag das Zimmer unter dem Dach, draußen 31 Grad, Straßenseite. Der im Prospekt angepriesene Seeblick trifft wirklich nur zu, wenn man sich auf der Terrasse oder im Wintergarten befindet. Die Terrasse wurde gebaut. Wie schon erwähnt, ist das Haus nicht für Behinderte geeignet. Es gibt keinen Fahrstuhl und Gepäckservice nicht andeutungsweise. Zum Glück sind wir noch nicht so alt und halbwegs rüstig, so dass wir unser Zimmer beziehen konnten. Die erste Nacht kam. Draußen trällerte die Nachtigall. Das war schön. Es erinnerte an Monika Herz und ihren kleinen Vogel. Auf dem Sportplatz, gegenüber vom Hotel, feierte die Jugend den Montag Abend. Gegen 22 Uhr sind wir ins Bett - die Party lief. Um 24 Uhr wurde ich munter - die Party lief. Ein Uhr - die Party lief. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen und verlor den Überblick zum Partyfortgang. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass die Gegend auf jeden Fall einen Urlaub wert ist. Noch! Bevor das Bombodrom gebaut wird, gegen das sich alle Gemeinden der Gegend wehren. Wir haben tolle Ausflüge nach Rheinsberg und Neuruppin gemacht. Besonders empfehlen kann man die Boltenmühle, die Ausflugsgaststätte in Stendenitz und den Tierpark in Kunsterspring. Zum Frühstück waren wir die Letzten. Die anderen vier Paare saßen bereits da. Ich weiß nicht, ob sie noch munter waren oder einfach den besseren Schlaf hatten. Zimmer mit Blick zum See, und damit Ruhe, war fast ausgeschlossen. Nacht Nummer zwei. Die Nachtigall sang. Unter unserem Fenster fanden sich einige Jugendliche ein, die sich viel zu erzählen hatten und natürlich auch einige Anekdoten zum Lachen fanden. Ich habe nichts gegen fröhliche Jugendliche. Diese Toleranz schwindet allerdings proportional zur fortschreitenden Nacht. Gegen 3 Uhr habe ich entnervt das Fenster geschlossen. Lieber im Schlaf in der Hitze der Nacht erstickt als gar nicht geschlafen. Zum Frühstück waren wir wieder die Letzten und hatten nach deutscher Art auch wieder unseren Stammplatz vom Vortag. Die Sitzordnung war Gesetz! Nach dem Frühstück sind wir in die Rezeption gegangen um unserem Unmut Ausdruck zu verleihen. Die Dame in der Rezeption konnte sich das alles gar nicht erklären, weil doch 22 Uhr laut Hausordnung Nachtruhe ist und es auch einen Nachtwachschutz gibt, der auf Ruhe und Ordnung achten soll. Dem müsse man da noch mal Bescheid sagen, aber eigentlich sind die Gebäude ja ab 22 Uhr geschlossen, so dass gar keiner mehr raus kann. Für uns kam der Aha-Effekt. Erstens: Hausordnung gab es rein theoretisch, nur war sie offensichtlich niemanden bekannt gegeben wurden. Zweitens: Wenn die Häuser ab 22 Uhr zu sind, dass keiner mehr raus kann heißt das im Umkehrschluss: Die Jugendlichen können gar nicht ins Bett! Sie kommen ja nicht rein. Nacht Nummer drei. Die Nachtigall sang. Mehr habe ich, vermutlich aus einer Erschöpfung heraus, nicht mitbekommen. Zum Frühstück waren wir die Vorletzten. Die Chance für uns die Sitzordnung durcheinander zu bringen. Wir taten es. Das erste Paar war gestern abgereist, zwei weitere folgten heute. Nacht Nummer vier. Die Nachtigall sang. Wir waren noch zwei Paare und die Busfahrer, die die Kinder und Jugendlichen tagsüber durch die Gegend fuhren, wahrscheinlich um sie für die Nacht zu schonen. Für die Jugend war es offensichtlich ebenso der Abschiedsabend, wie für uns. Gegen 18 Uhr bekamen alle eine Bratwurst und dann geschah, was wir schon kennen. Die Erzieher waren wie vom Erdboden verschwunden (oder feierten die jede Nacht mit?) und die Jugend ging feiern. Diesmal in neuer Qualität. Es gab Musik und demzufolge auch Gesang. Trotzdem versuchten wir es gegen 23 Uhr 30 mit dem ersten Schlaf. Aber auch das Hotel hatte eine neue Qualität entwickelt. Mir war, als wir am Abend ins Hotel kamen aufgefallen, dass es im Raum neben dem Speisesaal, der auch mal als Rezeption fürs Hotel vorgesehen war, in regelmäßigen Abständen piepte. Woher sollten wir wissen, was das bedeutete? Außerdem war es uns egal, der Ton drang nur bis in die erste Etage. Punkt Mitternacht ging die Sirene an. Feueralarm. Da sich im Gutshaus sehr viel Holz befindet, beschloss ich, die Sache einigermaßen ernst zu nehmen. Ich zog mich an. Mein Mann schaute zum Fenster raus. Plötzlich dreht er sich um und fragt: "was machst Du da?" Ich: "der Alarm gilt uns. Du solltest Dich auch mal anziehen." "Ach so?" Männer!!! Wir also erst mal runter und raus aus dem Haus. Aus der ersten Etage kamen drei Busfahrer (wieso hatten die eigentlich die kühleren Zimmer?) und meckerten, dass sie nun endlich gerade eingeschlafen waren. Unten sahen wir, dass alle Häuser Alarm meldeten. In den Zimmern der Kinder, ich denke es waren nur die Kinder, die Jugendlichen waren ja feiern, ging das Licht an, aber sie wussten offensichtlich auch nicht, was sie machen sollten. Tatsache war, dass nicht eine Person aus den Jugendquartieren die Häuser verließ. Das hat mich schon verwundert. Waren die Bewohner des Jugenddorfes auf einen nächtlichen Test der Alarmanlage vorbereitet und nur die Hotelgäste waren uninformiert? Einer der Fahrer lief zur Rezeption und stellte fest, wie wir ja schon wussten, dass nachts die Häuser verschlossen sind. Doch irgend jemand wuselte hinter der Scheibe rum. Nach mehreren Minuten, ich habe keine Ahnung wieviel es waren, gingen die Warnlampen an den Jugendquartieren aus, die Tür öffnete sich und ein offensichtlich eingeweihter Kollege kam ins Hotel. Er beruhigte uns, dass die Feuerwehr benachrichtigt ist und nicht erst kommt, stellte die Alarmanlage aus und murmelte, dass das noch mehrmals in der Nacht passieren kann. Es waren noch drei Kurzalarme, die ich mitbekam. Mein Mann war längst wieder hoch gegangen. Er hatte die Sache erst mal abgehakt. Er legt sich ins Bett und schlief. Ich machte gegen 3 das Fenster zu, weil die Party zwar zu Ende war, aber der Heimweg mancher Partygäste unendlich lang. Dann schlief auch ich irgendwann ein. Zum Frühstück gab es die Brötchen von gestern. Ich meine, wir waren noch ganze zwei Paare als Hotelgäste. Warum soll man wegen vier Leuten als Hotel, das eigentlich Werbung für sich machen wollte, noch so viel Aufwand betreiben und frische Brötchen besorgen? Irgendwo muss man ja als cleverer Geschäftsmann (oder -frau) sparen. Wir zahlten unsere Rechnung. Kein Wort seitens der Rezeptionskollegin. Meinen Mann plagte dann wieder mal die Neugier und er fragte ob es eine Erklärung zur letzten Nacht gibt. Unverständliche Blicke. "Was war die Nacht?" Da wächst einem als Gast doch eine Feder! Wir halfen mit Stichworten nach und da kam die Erinnerung, dass man ja früh was gelesen hätte - zwei!! Fehlalarme im Zimmer 105 waren notiert. Da hat einer geraucht. Kann ja mal passieren. Es ist halt alles noch im Bau. Liebe Leute vom Hotel! Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass wir für Euer Hotel Werbung machen? Genau das habe ich auch den Damen von der Rezeption persönlich gesagt, aber es tangierte sie peripher. Deshalb entschloss ich mich zu diesem Blog. Unser Tipp für alle Leser: Fahren Sie in die Gegend. Sie ist sehr schön. Wollen Sie das Hotel kennen lernen, fahren Sie übers Wochenende. Vielleicht sind die Plagen (wie sich die Busfahrer ausdrückten) nicht da. Dann ist es bestimmt herrlich ruhig. Oder nehmen Sie gleich ein anderes Quartier. Daran mangelt es in dieser schönen Gegend nicht. Trackbacks
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